Besucher: 
1370
 
Link verschicken   Drucken
 

Geschichte

Der industrielle Aufschwung des Ortes Döbern im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert und daraus resultierende höhere Brandbelastung aller Objekte machte das Problem der Brandbekämpfung immer notwendiger, so dass die Verantwortlichen die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr beschlossen. Im Gründungsjahr der FFw Döbern 1892 hatte der Ort gerade die 1000 Einwohnergrenze überschritten.

 

Am 17. November 1892 war es soweit:

Die Gründungsversammlung wurde durch den Gemeindevorsteher Paulig eröffnet. Mit der Geschäftsführung der Freiwilligen Feuerwehr wurde der Arzt Dr. Seyffert betraut.

Er war es auch, der weitere Anwesende der Gründungsversammlung zur Mitgliedschaft in der Feuerwehr aufrief. Es meldeten sich sofort 20 Freiwillige zur Wehr.

Um die Jahrhundertwende wurde ein Gerätehaus erbaut, das noch heute als solches dient.

 

Bereits 1909/10 entsprach die Ausrüstung dem damaligen Stand der Technik und bestand aus zwei zweiachsigen Handdruckspritzen, zwei einachsigen Schlauchwagen, mehreren einachsigen Wasserfasskarren, einem einachsigen Gerätekarren und einer bis in die siebziger Jahre unserer Zeit genutzten einachsigen ausziehbaren 15 Meter langen Leiter, Baujahr 1908. Die baulichen Anlagen der Döberner Feuerwehr sind für damaligen Zeiten recht großzügig und
respektabel ausgeführt. Die untere Etage des Wohnhauses wurde zeitweise als Arrestbau betrieben. Die Wohnung in der ersten Etage wurde vorrangig von Familien der Wehrangehörigen bewohnt.

Die Gemeinde Döbern war bestrebt auf dem guten Stand der Technik zu bleiben. 1934 standen der Wehr drei motorisierte Kraftfahrzeuge zur Verfügung. Von der Erstausstattung 1909/10 waren nur noch die Leiter und ein Gerätewagen übrig geblieben. Bei den Fahrzeugen handelte es sich um einen Opel mit Motorspritze und Motorspritzanhänger, einen Mercedes Geräte- und Mannschaftswagen und um einen Opel-Viersitzer für den Steigertrupp. An diesem wurde die 15 m lange Leiter angehängt. Dieser kleine Opel diente der Stadt auch als Zugfahrzeug für einen
Kehrmaschinenanhänger.

 

In Zeiten der Kriege bestanden auf Grund der Kriegsverluste Personalprobleme. Im zweiten Weltkrieg wurden die Bestimmungen des Jugendschutzes zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Löschbereitschaft gelockert, so dass bereits 14 jährige zum Einsatz mitfuhren. Auch an Kraftfahrern mangelte es. So trat der katholische Priester, Rat Mertz, ohne Angehöriger der Wehr zu sein, in den Fahrdienst der Löschfahrzeuge ein. Auf zentralen Befehl der Reichsdienststellen für das Löschwesen wurden in den Kriegsjahren die Fahrzeuge wehrmachtsgrün umgespritzt.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann ein schwieriger Wiederaufbau unter neuen veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Der erste Wehrleiter, Walter Paulig (von 1945-1955) baute die Feuerwehr neu auf. Die technischen Gerätschaften sind nach dem Krieg sehr bescheiden.

 

Zur Verfügung standen:
  • der Motorspritzanhänger,
  • eine Handdruckspritze auf einem selbstgebauten Hänger
  • und die 15 m lange Leiter.


Zum Einsatz mussten die Kameraden mit dem Fahrrad fahren.

Die Situation änderte sich etwas im Jahr 1949, in welchem eine TS-8 (vollgummibereifter einachsiger Hänger) angeschafft wurde. Die Kameraden mussten zum Dienst in Holzpantoffeln erscheinen, was gegenüber dem Landratsamt Potsdam auch kritisiert wurde. Weiterhin bestand das Problem, dass kein Zugfahrzeug zur Verfügung stand. In dieser Zeit wurden bei Einsätzen die Hänger mit Leihfahrzeugen Döberner Firmen gezogen.

1953 verbesserte sich die technische Basis erheblich. Neben Uniformen und Schlauchmaterial konnte erstmals nach dem Krieg über ein eigenes Zugfahrzeug verfügt werden. Dabei handelte es sich um einen „Stöver“ Kübel der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Dieses Fahrzeug stand bis zum Jahre 1955 im Dienst. 1955 wechselte auch der Wehrleiter. Kamerad Karl-Heinz Sommer leitete die Wehr bis zum Jahre 1966.

1957 bekam die Wehr ein LF 8 Opel Blitz. Dieses Fahrzeug verunfallte im Juni 1958 auf dem Weg zur Einsatzstelle durch einen Achsbruch mit Totalschaden. Durch den Unfall war in Döbern kein Feuerwehrfahrzeug mehr vorhanden. Nach sehr kurzer Zeit konnte ein Mercedes L 5000 LKW angeschafft werden. Die Kameraden bauten in Eigenleistung das Fahrzeug für ihre Zwecke um.

Im Jahr 1960 wurde das erste Neufahrzeug, eine Kat LF 8 (Garant K 30) in Dienst gestellt. 1977 ging dieses Fahrzeug im Ringtausch nach Heinersbrück für ein neues TLF 16/W 50, welches heute noch in Betrieb ist.

Ein weiteres Fahrzeug der sechziger Jahre war eine LF 8 Garant, welches bis 1967 in Döbern Dienst tat. Auch dieses wurde gegen ein anderes Fahrzeug, LF 16 S 4000, getauscht. Dieses Fahrzeug steht heute noch bei der Freiwilligen Feuerwehr Schacksdorf im Dienst.

Der neue, seit 1966 tätige, Wehrleiter Kamerad Eberhard Thomas, brachte die Wehr sowie das Gerätehaus bis zum 01.05.1991 auf den heutigen Stand. Viele bauliche Veränderungen lagen in seiner Hand. So wurde zunächst im Gerätehaus eine Zwischendecke eingezogen, die Heizungsanlage erneuert, neue Tore eingebaut, ein Schulungsraum angebaut und im Hof verschiedene Schuppen zu einer Küche, Magazin und sanitären Einrichtungen umgebaut. Mit Recht darf behauptet werden, dass alle Baumaßnahmen in Eigenleistung entstanden. Um das gesellige Beisammensein der Wehrmitglieder zu verbessern, wurde auf dem Grundstück gegenüber der Feuerwehr eine alte Scheune zu einem schönen Aufenthaltsraum ausgebaut. Die Blaulichtklause ist zu einem Anziehungspunkt für viele Döberner geworden.

Nicht nur bauliche Tätigkeiten bestimmten seine Amtszeit. So wurde für das nach Schacksdorf gegangene LF 16 ein aus NVA Beständen für Feuerwehrzwecke umgebauter Robur angeschafft.

 

Er diente der Strukturbereinigung der Brandschutzzüge der damaligen DDR.

Die Wende im Herbst 1989 macht auch vor der Döberner Wehr nicht halt. Feuerwehrmänner nahmen an Demonstrationen, verteilten Fackeln, wofür sie von den noch regierenden SED getreuen Stadtoberhäuptern angegriffen wurden. Zu Konsequenzen kam es jedoch nicht mehr. 1991 wurde der erste frei wählbare Wehrführer, Detlef Pult (rechts), gewählt, den damals 40 aktive Kameraden zur Seite standen. Durch die gesellschaftlichen Veränderungen sind auch bei der Feuerwehr Anpassungen nach bundesdeutschen Gesichtspunkten erforderlich.

 

So sind die Brandschutzzüge abgeschafft worden. Neu entstanden in den neuen Bundesländern Katastrophenschutzzüge. Die Freiwillige Feuerwehr Döbern erhielt im Mai 1992 ein LF 16 Mercedes und ist damit dem Katastrophenzug angeschlossen.

 

Mit Grenzöffnung konnten erstmalig Kontakte zu Feuerwehren in den alten Bundesländern geknüpft werden. Auf Einladung der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbach fuhren die Kameraden Detlef Pult und Klemens Nennewitz im Januar 1991 nach Rheinbach und legten dort den Grundstein für eine Partnerschaft, die in sehr kurzer Zeit zur freundschaftlicher Bindung führte.

 

Konkrete Hilfe zeigte sich im Aushelfen mit Brandschutzlektüre und praktischen Hinweisen und Erfahrungen.